05. Dec 2018

Matthias Burtscher

5 Min.

Neues aus der Wolke

Wie neue Cloud-Services eure Projekte mächtiger und effizienter machen können.

In den letzten Tagen ging in Las Vegas die jährliche AWS re:Invent über die Bühne. Mit großer Pizza und noch größerer Spannung haben wir die Keynote von AWS CEO Andy Jassy verfolgt, um herauszufinden, welche Nutzen und Vorteile die neuen Technologien und Dienste für laufende und zukünftige Projekte haben werden. Fünf davon stellen wir euch in diesem Blogpost vor.

1. Timestream

Maschinen und andere IoT-Devices wie z.B. intelligente Strom- und Wasserzähler produzieren jede Menge Messwerte innerhalb kürzester Zeit. Je nach Anwendungsfall kann es sich dabei um mehrere 100 bis 10.000ende Datensätze pro Sekunde handeln. Klassische Datenbanken wurden nicht für diese Art von Informationen entwickelt. Insbesondere die Auswertung und Interpretation dieser Daten ist meist schwierig und eine technische Herausforderung.

Mit Amazon Timestream wurde ein Dienst vorgestellt, der solche zeitbasierten Daten effizient aufnehmen, kostengünstig speichern und performant auswerten kann. Die Kosten liegen dabei weit unter denen für übliche relationale Datenbanksysteme. Zudem skaliert das System automatisch, sollten einmal mehr oder weniger Ressourcen benötigt werden.

2. Forecast

Das Ziel oben erläuterter Datensammlung ist i.d.R. das Treffen von zuverlässigen Aussagen über die Zukunft. So möchte man vorgewarnt sein, wenn in der Produktion irgendetwas schief gehen könnte, der Stromverbrauch des aktuellen Monats durch die Decke geht oder der Lagerbestand eines bestimmten Produktes voraussichtlich bald aufgebraucht ist.

Genau das ermöglicht Amazon Forecast: Auf Basis bestehender, zeitbasierter Daten können Aussagen über die zukünftige Entwicklung getroffen werden. Die Anwendungsfälle sind unzählig und reichen von einfachen Verkaufsprognosen bis zu komplexen Vorhersagen über Material- und Ressourcenbedarf.

3. Personalize

Nicht ganz vorhersagen aber zumindest gut erahnen lässt sich, wer was wann kaufen wollen wird. Daraus lassen sich personalisierte Kaufempfehlungen erstellen, die ein geeignetes Mittel sind, um Bestandskunden interessante Produkte anzubieten und zu weiteren Käufen zu motivieren.

Der neue Dienst Amazon Personalize ermöglicht es Entwicklern, auf einfache Art und Weise solche personalisierten Empfehlungen zu implementieren. Das reicht von Artikelvorschlägen auf Basis des Leseverhaltens, bis zu konkreten Produktempfehlungen im Online-Shop. Es sind in diesem Fall keine komplexen Machine-Learning-Modelle zu entwerfen und zu optimieren. Der Dienst abstrahiert diese Funktionalität auf genau diesen konkreten Use-Case.

4. Managed Blockchain

Wo zentralisierte Datenbanken mit Vertrauensproblemen konfrontiert sind, kann eine Blockchain zukünftig Abhilfe schaffen. Neben öffentlichen Anwendungsbereichen wie Grundbuch, Lebensmittelrückverfolgung und ähnlichem, gibt es auch zukunftsweisende Anwendungsbeispiele im unternehmensübergreifenden Supply-Chain-Management oder der Verifizierung von Banktransaktionen.

Da der Aufbau einer Blockchain alles andere als trivial ist, gibt es nun die Amazon Managed Blockchain. Das Thema an sich wird dadurch zwar nicht weniger komplex, die Konfiguration und der Betrieb einer Blockchain wird dadurch aber stark vereinfacht.

Neben der Managed Blockchain wurde auch die Amazon Quantum Ledger Database vorgestellt, welche für kryptografisch verifizierte Transaktionen verwendet werden kann, wenn im Gegensatz zur Blockchain kein verteiltes System zur Verifizierung erforderlich ist. Dies trifft insbesondere auf unternehmensinterne Anwendungsfälle wie Personalverrechnung oder Buchhaltung zu, wo sichergestellt werden soll, dass keine unverifizierten Änderungen im Datenbestand durchgeführt wurden.

5. Textact

Texterkennung ist ein alter Hut. Die meisten Dokumentenmanagementsysteme können das und Bibliotheken und Programme dazu gibt es mehr als genug. Es bleibt jedoch das Problem, dass Informationen nur stur nach Vorschrift verarbeitet werden können. So sind die meisten Systeme darauf angewiesen, dass ihnen zuerst beigebracht wird, wo auf dem Dokument welche Informationen zu finden sind und was damit angestellt werden soll.

Mit Amazon Textract versucht AWS diesen Prozess zu vereinfachen. Das System kann nicht nur Text erkennen, sondern diesen auch interpretieren. Das bedeutet, dass bei Textblöcken automatisch erkannt wird, um welche Art von Information (z.B. Namen oder Kreditkartennummern) es sich handelt. Es entfällt also die Pflege von Regeln und Vorlagen zur Erkennung von Informationen.

Fazit

Das war nur eine kleine Auswahl der Änderungen, für welche wir unmittelbare Anwendungsfälle in der Praxis vermuten. Wenn ihr mehr über die Neuigkeiten erfahren möchtet, könnt ihr euch die fast dreistündige(!) Präsentation online ansehen oder direkt auf der AWS Website im Menüpunkt „re:Invent 2018“ alle Neuerungen nachlesen.

Doch viel spannender ist die Frage, wie diese neue Dienste und Möglichkeiten eure digitalen Projekte voranbringen können. Habt ihr schon konkrete Ideen, wie ihr die neuen Cloud-Features nutzen wollt oder wollt ihr Ideen austauschen? – Lasst es uns wissen.