28. May 2015

Stefanie Zeiler

6 Min.

Feedback, Vernetzung und Dialog: So gelingt laut Buhse die digitale Transformation in Unternehmen

Viele Unternehmen fragen sich, wie es möglich sei, neben der Fülle an Alltagsaufgaben auch noch Zeit für die digitale Transformation zu finden und so mehr Transparenz und Vernetzung zu erzeugen. Notwendig ist lediglich, sich einmal für ein paar Stunden oder Tage mit den Potentialen des Internets zu beschäftigen und sich zu fragen, was denn Vernetzung wirklich bedeutet und wie Partizipation im Internet losgelöst von klassischen Managementmodellen gelingt. Was es zusätzlich braucht sind motivierende Veranstaltungsformate, die sich an den Prinzipien Vernetzung, Offenheit, Partizipation und Agilität orientieren.

Bei der digitalen Transformation handelt es sich um einen ganzheitlichen Veränderungsprozess, der aus verschiedenen konkreten Bausteinen besteht. Dieser kann nicht gelingen, ohne dass die Führungskräfte Verantwortung dafür übernehmen und schon gar nicht, ohne dass die Mitarbeiter mitgenommen werden.

Willms Buhse

Management by Internet

OpenSpaces

  • Menschen (Mitarbeiter, Kunden, Partner etc.) einbinden
  • Ideen sammeln und Teilnehmer motivieren
  • Ermöglichung konstruktiver Dialoge ohne hierarchische Grenzen

In der ersten Phase interviewen sich 2 Personen gegenseitig zu einem Thema und veröffentlichen die Ergebnisse an den Pinnwänden. Nun formieren sich die Teilnehmer hinter einem Thema und bilden so themenspezifische Arbeitskreise. Die weitere Vertiefung erfolgt in Selbstorganisation mit abschließender Feedbackrunde. Es herrscht stets das Gesetz der 2 Füße - wem das Thema nicht mehr interessiert, der verlässt die Diskussion und schließt sich einer anderen an. Nach der Diskussion entstehen bestensfalls langfristige Projekte.

BarCamp

  • Weiterausgearbeitete Ideen präsentieren und in der Diskussion vertiefen

Das Besondere an dieser Veranstaltung ist, dass sich Themen und Referenten erst kurz vor der Veranstaltung ergeben je nach Teilnehmerkreis. Einige Teilnehmer haben Präsentationen vorbereitet, andere referieren frei. Die Agenda orientiert sich stets an den Interessen der Teilnehmer, so wird weder Zeit verschwendet noch am Thema vorbeidiskutiert. Dadurch entsteht eine offene und energiegeladene Atmosphäre mit kritischen und vor allem konstruktiven Dialogen und Ansätzen auf Augenhöhe.

FedExDay

  • Produkte mit Hilfe von Fachleuten aus unterschiedlichen Abteilungen entwickeln
  • Führungskräfte lernen, was Vernetzung ohne hierarchische Barrieren und Wissensilos praktisch bedeutet
  • Sammlung und Umsetzung von Ideen jenseits des Alltags

Der Name stammt vom gleichnamigen Kurierdienst, der innerhalb von 24h liefert. Das hat einen guten Grund, da die einzige Vorgabe dieser Veranstaltung lautet, die Ergebnisse am selben Tag vor allen Teilnehmern zu präsentieren. Bei dieser Veranstaltung nehmen sich Fachleute aus verschiedenen Unternehmensbereichen einen ganzen Tag Zeit, sich mit einem Thema zu beschäftigen und Ergebnisse zu erzielen. Fazit: Ergebnisse werden schnell erzielt und Mitarbeiter sind motivierter als in ergebnislosen Standardmeetings.

Die größte Herausforderung an diesen Formaten sieht Buhse darin, dass nicht mehr einfach von oben nach unten kommuniziert wird, sondern bereits ein Rollenwechsel stattgefunden hat, der alle Teilnehmer auf eine Ebene stellt, indem er klassische Hierarchien und Organisationsstrukturen auflöst. Es kommen nun jene zu Wort, die an innovativen Lösungsansätzen auch wirklich interessiert sind und das Unternehmen positiv nach vorne treiben wollen. Teilnehmer merken, wie viel Potential in diesen Veranstaltungen freigesetzt wird, welch tolle Ideen diskutiert werden, so dass sie auch im Anschluss an die Veranstaltung Lust bekommen, sich mit anderen zu vernetzen und dauerhaft etwas zu verändern. Diese Veranstaltungen haben großes Potential, Veränderungen gemeinsam mit den Mitarbeitern zu beschreiten, indem diese voll integriert werden und den Wandel akzeptieren und vorleben.

Robert Bosch GmbH- offene Fehlerkultur

Ein weiteres inspirierendes Beispiel der digitalen Transformation ist die offene Fehlerkultur von Bosch. Scheitern gehört laut Volkmar Denner von Bosch zu einer gelingenden Innovationskultur, ebenso wie Experimentierfreude. Das wichtigste Werkzeug auf dem Weg zur Enterprise 2.0. ist die interne Social Media Plattform Bosch Connect. Diese Software soll mithilfe von Wikis, Foren und Blogs die vernetzte und hierarchiefreie Zusammenarbeit und den Wissensaustausch bei Bosch fördern, was in der realen Welt durch innovative eben genannte Veranstaltungsformate ermöglicht wird.

Ganz wichtig ist, dass eine so weitreichende Transformation viel Zeit und Geduld benötigt und stets in Kommunikation mit den Mitarbeitern erfolgen sollte. So durchlief die neue Software erst einmal eine 12 monatige Einführungsphase mit 26 internen Leuchtturm-Fallstudien, die die Umsetzung einzelner Projekte beschrieben. Im Anschluss folgte ein umfangreiches Schulungsprogramm für alle Mitarbeiter in Form von Trainings und Workshops, um diese fit für den Wandel zu machen und vernetztes Denken in den Köpfen jedes Einzelnen- Führungskräfte eingeschlossen- zu verankern. Was dann folgte, finde ich besonders toll und zwar das Reverse- Mentoring- Programm. In diesem Programm tauschten Führungs- und Nachwuchskräfte einfach die Rollen. Bei Bosch zeigten Mitarbeiter der Internetgeneration etwa 3000 Führungskräften, wie die neue Welt der Vernetzung funktioniert. Daran sieht man, wie man mit einfachen Ideen, Großes bewirken kann.

Wichtig ist laut Michael Knuth von Bosch, dass klassische Managementmodelle nicht ausgedient haben und dass nicht in allen Unternehmensbereichen jeder nur auf digitale Transformation setzt. In der Produktion&Fertigung z.B. wird es weiterhin vorrangig um Effizienz und nicht um Kreativität gehen. Von daher entwickelt Bosch ein hybrides Führungsmodell, welches je nach Geschäftsbereich eher auf die erprobten Prozesse der Effizienz und Exzellenz setzen oder aber mithilfe von “Vernetzung - Know-how Potentiale zu realisieren”.

Atos: Null E-Mails nach 2015

Laut Thierry Breton sind E-Mails ein schlechtes Medium für den vernetzen & agilen Informationsaustausch in einer Enterprise 2.0. Man benötigt zu viel Zeit für das Abarbeiten der E-Mails, welches zudem noch wenig effizient ist, da viele E-Mails Spam oder erst gar nicht relevant für den Arbeitsalltag sind. Er möchte, dass seine Mitarbeiter wieder mehr persönlich kommunizieren bzw. sich über interne Social Software austauschen- also die Zusammenarbeit außerhalb der E-Mail fördern. Virtuelle Communities spielen für ihn in diesem Transformationsprozess eine wichtige Rolle, da Daten zentral und für alle sichtbar und zugänglich abgspeichert werden können und Inhalte unkompliziert wiedergefunden werden. Breton vollzog den Wandel in zwei Schritten:

  1. Social Software Anschaffung & Einführung
  2. Zero-E-Mail-Botschafter: Mitarbeiter aus der Internetgeneration unterstützen ältere Mitarbeiter beim Umgang mit der Software (Adequat Bosch)

Projektleiter Robert Show bestätigt: “Nur 20% der Arbeit an diesem Projekt betreffen die Technik, 80% hingegen das Change Management.”

Hat euch der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich auf Feedback und den Austausch von Meinungen und Erfahrungen. Im letzten Teil geht es um das Thema Digital Leadership - Führung im Zeitalter der digitalen Transformation.

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