11. Feb 2019

Dominik Sekacic

4 Min.

Warum bei Digitalisierung alle falsch liegen

Blogs, Wirtschaftsforen, Impulsvorträge oder Unternehmensvisionen – überall scheint sie omnipresent: die Digitalisierung. Dennoch werden noch immer viele Teilaspekte des digitalen Wandels grundlegend falsch verstanden, ausgelegt oder interpretiert. Wir widmen uns vier Aussagen über Digitalisierung, die oft wiederholt werden und dennoch unwahr sind.

„Digitalisierung ist ein IT-Thema.“

Diese Annahme ist nicht nur falsch, sondern auch äußerst kurzsichtig. Digitalisierung wirkt sich auf viele Unternehmensebenen aus. Sie erhöht die Prozesseffizienz, die Datentransparenz und trägt im besten Fall dazu bei, die Kernkompetenz des Unternehmens zu verbessern. Richtig geplant und durchgeführt, kann Digitalisierung einen enormen Wettbewerbsvorteil mit sich bringen. Die Kernfragen, die dabei gestellt werden, greifen tief in die kommerzielle und strategische Ausrichtung des Unternehmens. Die Antworten auf Fragen wie: „Welche Dienstleistungen und Produkte lassen sich digital aufwerten?“, „Wo liegt dabei der kommerzielle Nutzen?“, „Wie lässt sich das monetarisieren?“, und „Wie lassen sich Vertriebsdialoge optimieren?“, können die Grundlage für ganz neue Geschäftsmodelle bilden.

„Digitalisierung macht alles besser.“

Hat man erst mal ein paar Vorträge über Digitalisierung gehört, könnte man meinen, es sei eine übermächtige Wunderwaffe, eine eierlegende Wollmilchsau in Form eines Perpetuum mobile. Doch Digitalisierung ist kein magischer Wunschbrunnen. Sie macht nicht automatisch alles gut. Schlechte Prozesse bleiben auch nach der digitalen Transformation schlecht. Deswegen ist es wichtig, vor dem Start eines Digitalisierungsprojektes bestehende Prozesse zu analysieren und Verbesserungspotenziale sorgfältig herauszuarbeiten. Erst dann ist Software in der Lage, alles zu verändern.

„Digitalisierung geht nur ganz oder gar nicht.”

Spätestens wenn von „digitaler Transformation“ gesprochen wird, kommt früher oder später die Analogie der Raupe zum Einsatz, die ihr bisheriges Dasein zurücklässt, und sich als Schmetterling in ein neues Leben erhebt.

Doch der Vergleich hinkt. Digitalisierung ist kein Ein-/Aus-Schalter, sondern eine Reise – eine sehr individuelle. Diese umfasst viele interne, wie auch externe Aspekte, die nicht alle gleichzeitig angegangen werden können. Es ist ratsam, den Vorgang der Transformation konzeptionell zu planen. Beispielsweise in dem man den Wandel in überschaubare Abschnitte unterteilt. Es kann zwischen internen und kundenorientierten Prozessen unterschieden werden, zwischen Automatisierung und Innovation. Wie alle Reisen beginnt auch diese mit dem ersten Schritt – und es hilft immens, die nächsten bereits im Vorfeld zu planen. Jedoch sollte man nie versuchen, alle Schritte auf einmal zu machen.

„Digitalisierung ist Bedrohung und Chance zugleich.“

Zugegeben, diesen Satz haben auch wir schon von uns gegeben. Er stimmt aber nur zum Zeitpunkt vor der Digitalisierung. Wurde die Kiste von Schrödingers digitaler Katze erst mal geöffnet, ist sie ganz klar Chance oder Bedrohung. Für Unternehmen wie „Kodak“, „Quelle“ oder den amerikanischen Videotheken-Riesen „Blockbuster“ hätte sie eine Chance sein können, doch ungenutzt wurde sie erst zur Bedrohung und schließlich zum Niederfall dieser einst großen Namen.

Selbst ein hochtechnologisches und digitales Unternehmen wie „Microsoft“ hatte Mühe, eine solche Chance zu erkennen. Erst 2015 – ein Jahr nach dem Wechsel – schaffte es CEO Satya Nadella, das Unternehmen von der Arbeitsweise seines Vorgängers zu lösen und „mobile first“- sowie „cloud first“-Grundsätze zu verankern. Die Chance wurde genutzt, neue Softwareprodukte wurden geschaffen, „MS Office“ wurde in die Cloud verlegt, mit „Play anywhere“ wurden PC und „Xbox“ gekoppelt und der Aktienkurs hat sich seither fast verdoppelt.

Die Chance nutzen

Es liegt also jedem Unternehmen selbst, die Digitalisierung zu einer Chance zu machen. Egal wo die jeweilige Branche gerade steht: Die Auswirkungen der Digitalisierung zu akzeptieren ist keine Option – es ist ein Muss.

Das bedeutet einzusehen, dass Digitalisierung alles und jeden im Unternehmen betrifft und kein reines IT-Thema ist. Zu erkennen, dass es nicht das eine Projekt „Digitalisierung“ gibt, sondern der Wandel aus vielen Schritten besteht, die strategisch gut geplant sein sollten.

Es geht darum, den Wert der Digitalisierung für sich selbst und die eigenen Kunden zu erkennen und einen Weg zu finden, diesen zu monetarisieren. Es kann gut sein, dass ihr noch ganz am Anfang dieser Herausforderung steht. Dann empfehlen wir euch einen Blick in unseren letzten Blogartikel und spätestens danach einen Besuch bei uns.