Lücken in der Digitalisierung sind wie Feldwege zwischen Autobahnabschnitten

15. Dec 2017

Dominik Sekacic

4 Min.

Feldwege zwischen digitalen Autobahnen

Seit Jahren sprechen kleine und große Unternehmen von der und über die digitale Transformation. Dabei wird diese oft als eine Art „Business-Metamorphose“ beschrieben. Die analoge Raupe verpuppt sich und heraus kommt ein wunderschöner, digitaler Schmetterling. But that’s not how this works.

Die digitale Transformation gleicht eher dem Ausbau eines Autobahnnetzes. Abschnitt für Abschnitt wird saniert, erneuert, um- und aufgebaut. Dabei entstehen Lücken zwischen den einzelnen Streckenabschnitten der Digitalisierung, die nicht nur Zeitverlust, Ineffizienz, Frust und Unzufriedenheit zur Folge haben, sondern auch unnötige Kosten verursachen.

Ziel einer ganzheitlichen Digitalisierung muss es sein, solche Zeit- und Geldfresser aufzuspüren, zu beseitigen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Dies stellt viele Unternehmen – unabhängig von deren Größe – vor verschiedene Probleme.

Digital ≠ Digitalisiert

Eine der größten Herausforderungen bei der Beseitigung solcher „digitaler Feldwege“ ist deren Erkennung. Es liegt der Gedanke nahe, dass Arbeiten, die an einem Computer gemacht werden, digitalisiert sind – doch der Eindruck täuscht.

Wird eine Rechnung mittels Word-Vorlage erstellt und anschließend als E-Mail-Anhang versendet, findet zwar der gesamte Prozess am Monitor statt, geht aber dennoch am eigentlichen Ziel der digitalen Transformation vorbei. Ähnliches gilt für Angebotskalkulationen, bei denen zunächst die Kundenanforderungen eruiert und anschließend in eine Excel-Tabelle eingetragen werden, um ein Angebot generieren zu lassen. All das sind zwar papierlose, aber dennoch manuelle Prozesse.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Ein anderer, häufig auftretender Fehler ist die Missinterpretation von digitaler Transformation. Dahinter verbirgt sich nämlich mehr, als neue Technologien auf alte Prozesse anzuwenden. Es gilt weiterzudenken! Wer einen Feldweg asphaltiert, hat noch keine Autobahn.

Wenn Rechnungen automatisch nach Bestellung, Zeiterfassung oder vorliegendem Angebot erstellt und verschickt werden, warum dem Kunden nicht eine direkte Anbindung bieten und die Möglichkeit geben, seine offenen und vergangenen Bestellungen online einzusehen? Dabei könnte er die dazugehörigen Rechnungen jederzeit herunterladen, detaillierte Zusammenfassungen erstellen und Bestellungen mit nur einem Klick wiederholen. Self-Service gilt im B2C-Bereich fast schon als Standard – warum nicht auch im B2B-Bereich davon profitieren?

Elektronische Messgeräte, wie beispielsweise Zähler für Wasser, Strom oder Biogas, können über ihre primäre Aufgabe hinaus Anomalien erkennen und kommunizieren. Bei Produktionsprozessen helfen digitale Fehlererfassungen und Wartungsdokumentationen bei der Auswertung und Planung. Bestell-Automatisierung kann Engpässe vermeiden und Lagerkosten senken. Es ist wichtig, neue Möglichkeiten und Chancen zu erkennen und effektiv zu nutzen.

Alte Prozesse zu optimieren reicht oft nicht aus.

Digitale Transformation bedeutet nicht, alte Prozesse mit neuer Technologie „nachzurüsten“.

Der Preis

Viele Unternehmen schrecken vor den Kosten ganzheitlicher Digitalisierung und Automatisierungen zurück. Und je größer ein Unternehmen wird, desto mehr Verantwortung trägt es gegenüber Mitarbeitern, Geschäftspartnern oder Aktionären. Dadurch sinkt verständlicherweise auch die Risikobereitschaft. Doch IT-Verantwortliche und Geschäftsführung unterschätzen dabei oft den negativen Einfluss digitaler Flaschenhälse auf die geschäftliche Agilität und Performance.

Wenn händische Schritte wie Scannen, Drucken oder die manuelle Übertragung und Speicherung von Daten entfallen, können Unternehmen ihre täglichen Prozessabläufe straffen. Mitarbeiter können dann gezielt für umsatz- und kundenrelevante Aktivitäten eingesetzt werden, während bisher von Hand durchgeführte Aufgaben mit der richtigen Technologie deutlich effektiver und kostensparender erledigt werden.

Mut zu Großem, Mut zu Neuem, Mut zu Fremdem

Wichtigster Erfolgsfaktor der Digitalisierung ist und bleibt Mut. Unternehmen müssen sich auch an die großen Herausforderungen und auf unbekanntes Terrain wagen. Vor aktuellen Buzzwords wie E-Commerce, Digitalisierung von interner und externer Unternehmenskommunikation, Nutzung von Cloud-Technologien, VR, AR, AI, die Umwandlung von Big Data zu Smart Data, bis zur Nutzung von Chatbots, darf nicht zurückgeschreckt werden, auch wenn sich dahinter manchmal Großbaustellen verbergen.

Wie viele technische Errungenschaften vor ihr, bietet die Digitalisierung immenses Potenzial – zumindest für all jene, die sie zu nutzen wissen.