26. Mar 2015

Karin Tien

9 Min.

Mobile Report 2014 / 2015
Trend Web-Apps

Es ist wieder soweit, wir berichten über all jene Neuerungen, die in den letzten Monaten wesentlich waren und mit großer Wahrscheinlichkeit auch weiterhin sein werden. Da ein Jahr in der Welt von Smartphones & Co. schneller vergeht als neue Prozessoren rechnen können, hat sich viel getan in der Mobile Branche.

Die Welt von Smartphones und Co. ist einem ständigen Wandel unterlegen. Ob Apps, Gadgets, Betriebssysteme, Updates, Marketingtrends, kreative Anwendungen oder neue Märkte – alles scheint nach dem Boom 2008 rasant in Bewegung zu sein und wie ein Leuchtfeuer neue Ideen aufblitzen zu lassen.

Teilweise ist unsere mobile Hardware besser ausgestattet als der Stand-PC oder Laptop und die neuen Flaggschiffe werden gefeiert wie Stars aus Film und Sport.

Bis 2019 soll sich der weltweite Internetverkehr über Smartphones auf 18,24 Exabyte pro Monat belaufen und bereits heute sind 31% aller Websiteaufrufe von mobilen Geräten ausgehend.

Mobile Endgeräte gelangen immer mehr an Bedeutung bei der Zuordnung der Funktionen und auch bei der Parallelnutzung für die Bildschirme. Tablets werden im Bereich Unterhaltung herangezogen, Smartphones für jegliche Art von Kommunikation und der Laptop steht weiterhin klassisch für die alltäglichen Arbeitsaufgaben.

Die Screens vermehren sich, die Zahl der Anwender und Betriebssysteme auch, schwer vorauszusehen, wohin der Wind das Schiff treibt, aber wir versuchen es dennoch.

Mobile Marketing und Wachstumszahlen

Was den Markt 2014 bewegt hat.

Mehr als 75% der Smartphone-User sind in Österreich mit ihrem Gerät einmal täglich im Netz unterwegs, wobei rund zwei Drittel von ihnen dieses auch beruflich nutzen. In sämtlichen Lebensbereichen versuchen Innovationen ihren Platz durch das Potenzial von Mobile Marketing oder technischen Neuheiten zu finden oder zu festigen.

Sei es Indoor Routing (TU Graz), der stetige Ausbau in der Automobilindustrie, im Gesundheitswesen (Zahnbürste mit Bluethooth), der Trend zum Selftracking mit den Wearbles, intelligente dezentrale Produktionssteuerungen (cyber-physische Systeme), im Bankwesen (Sparkasse mit MyGeorge) oder an der Hardware selbst (Mobile World Congress).

Ebenso haben sich für die Marketer neue Wege ergeben, die tatsächlich fruchten. Hinter vielen Apps befindet sich nun eine richtige Mobile Strategie, NutzerInnenfreundlichkeit steht im Vordergrund und der Sicherheitsaspekt wird nicht mehr nur als „Sidekick“ verstanden.

Firmenintern kämpfen viele zwar noch mit der Schatten-IT und der Diversifikation von Geräten, Betriebssystemen und angebotenen Firmenapps aber auch für diese Themen ist eine Sensibilisierung über die letzten Jahre spürbar. Firmen, die die nötigen Ressourcen aufbringen können, experimentieren mit Eigenentwicklung oder einer Vergabe an Externe, um die ersten Gehversuche zu starten.

Je mehr Betriebe und Funktionen dabei eingebunden werden müssen desto wichtiger ist es, vorab zu klären, welche Art von App-Lösung eingesetzt wird.

Mobile Marketing

Warum wir auf Web-Apps setzen

Was sind Web-Apps und wie unterscheiden sie sich von anderen Formaten?

Web-Apps sind mehr als eine klassische Webseite. Sie sind vermehrt als Konkurrenz zu Native-Apps zu sehen. Ausgangspunkt einer Web-App ist der Browser des Smartphones.

Nach dem Speichern auf dem „Homescreen“ kann, genau wie bei klassischen Apps, über einen App-Icon auf die Application zugegriffen werden. Aber ihr Zugriffsausmaß auf Gerätefunktionen (Gyroskop, Grafikleistung, Bluetooth) ist im Gegensatz zu den Native Apps teilweise eingeschränkt. Ein Umstand den es bei der Planung einer App zu bedenken gibt.

Es gibt auch eine dritte Alternative zu Web- und Native-Apps nämlich Hybrid-Apps. Dabei wird ein Teil der App mit der Web-App Technologie aufgesetzt und dann mittels spezieller Frameworks (z.B. Apache Cordova oder Phonegap) in einen nativen Container eingebettet, der den Zugriff auf Hardware Komponenten des mobilen Endgeräts möglich macht. Es verbindet somit Native- mit Web-App.

Warum sind Web-Apps günstiger?

Für Auftraggeber sind Web-Apps vorteilhaft, da durch geringen Aufwand bereits eine hohe Reichweite erzeugt werden kann. Verschiedene Betriebssysteme bzw. unterschiedliche Gerätetypen (z.B. Smartphone, Tablet bis hin zum Fernseher) können mit nur einer App bedient werden können.

Auch die Verteilung muss nicht über die App Stores erfolgen und somit müssen auch deren Auflagen nicht erfüllt werden.

Wovon hängt es ab, ob eine Web-App entwickelt werden soll?

Dazu müssten folgende Kernfragen beantwortet werden:

  • Welche Anforderungen müssen von der App erfüllt werden?
    (Hardware, Offlinefähigkeit, Authentifizierung, …)
  • Welches Betriebssystem muss unterstützt werden?
    (Android, iOS, Windows, …)
  • Welche Geräte müssten unterstützt werden?
    (Smartphone, Tablet, beides, …)
  • Soll die App im Browser laufen?

Wenn all diese Fragen geklärt sind, kann mit der Modellierung eines groben Konzeptes begonnen werden.

Native - Hybrid - Web

Die Wahl der richtigen Technik

Wer aber einen schnellen Überblick über alle Technologien haben möchte, sieht in dieser Tabelle übersichtlich welches Werkzeug für sein Projekt das Richtige ist.

Klar ist, dass sich jeder in der Tabelle angeführte Punkt direkt auf die Preisgestaltung auswirken kann. Es schneiden sich oft die Erwartungen komplexe und vielseitige Aufgaben zu bewältigen, dabei aber günstig die Herstellung der App und Weiterentwicklung handhaben zu können. Somit kommt es also zu einem Konflikt zwischen einer anspruchsvollen Aufgabenbewältigung und einer einfachen Pflege und Weiterentwicklung der App.

Wenn eine hohe Performance und Serviceerwartung gewünscht wird, aber der Nutzerkreis klein ist, also aus wenigen App Usern besteht, kann sich eine Native App bezahlbar machen, weil dann nur für eine Plattform entwickelt werden müsste. Auch zählt die Häufigkeit der Nutzung zu einem Auswahlkriterium. Bei Apps wie Facebook, Twitter und Co. zählen Performance und native Integration zu wichtigen Punkten und sind entscheidend für deren Erfolg.

Wenn die Benutzer jedoch nicht eindeutig zuordenbar sind aufgrund einer inhomogenen Nutzungsweise oder unklar ist, auf welchen Geräten die App benutzt wird, kann eine Web App eine Nutzung der Inhalte auf allen mobilen Endgeräten sicherstellen. Hier würde auch die Vermarktung und Inhaltspflege leichter fallen, da die Software nicht speziell für wenige Plattformen aufgesetzt wurde und mit gängingen Web Technologien gearbeitet werden kann.

Da Web-Apps als kostengünstige Alternative gelten, stellt sich vorrangig die Frage: Können Web-Apps mit nativen Apps mithalten, was die Funktionalität und das „Look&Feel“ betrifft?

Wir antworten mit: JA! Sie stehen den Native-Apps beinahe in nichts mehr nach, da ihre Handhabung einfach ist, die Kosten geringer sind und die Entwicklung in den letzten Jahren enorm aufgeholt hat.

Native - Hybrid - Web

Ausblick 2015

Wenn es auch noch immer an vielen Stellen nicht allzu geschmeidig zugange geht, weil entweder die Hardware oder die Kompatibilität der Geräte miteinander noch nicht perfektioniert sind, aber hart daran gearbeitet wird, kann heute schon gesagt werden, dass sich zwei Trends heraus kristallisiert haben: „Internet of Things“ und „Internet of Me“.

Wir tracken und messen unseren Sport, beleben unsere Profile mit Selfies und Geotagging. Kaufen, suchen, kommentieren immer weiter, solange bis der Akku aufgibt. Genau an diesen Prozessen setzt die Mobile Welt an, durch die exzessive Nachfrage an lustigen oder schrägen Selfies wird an den Bildstabilisatoren, Videobearbeitungstools und Frontkameras geschraubt. „Alles in höherer Auflösung“ scheint dabei das Credo zu sein. Daneben wird an der Akkuleistung getüftelt. Aufgeladen wird nun drahtlos und viel schneller als bisher.

Wir haben für Euch drei Themen heraus gearbeitet, die es sicherlich verdienen, 2015 etwas Aufmerksamkeit zu erhalten:

Der NFC Killer: smartes Bluethooth

Hierzu gehört BLE Bluethooth Low Energy auch Bluethooth smart genannt, da weniger Stromverbrauch und geringere Integrationskosten in Aussicht gestellt werden. Es wird im Umkreis von 10 Metern mittels Funktechnik ein Gerät angesteuert und auf den Devices inklusive Wearbles Informationen verbreitet. Bluethooth Low Energy könnte sich als NCF Killer einbringen, denn hier müsste nicht das physische Heranhalten eines NFC-Tags zum Auslösen einer virtuellen Reaktion vorausgesetzt sein.

Das Jahr der Wearables - The Next Big Thing

Für 2015 erwartet Gartner, dass sämtliche Wearables (Smartwatches, Wristbänder) im Absatz hochschießen werden. Die Branche geht von einem Verkaufsplus von 70% aus, welche aber nicht als Ersatz für Smartphones gelten, sondern als Ergänzung für weitere „Internet of Me“ Anwendungen.

Gartner geht davon aus, dass die Verkaufszahlen 2020 bei 514 Millionen Einheiten liegen werden.

Und was ist mit den Tablets los?

Sind sie überhaupt noch relevant neben den 5 und 6 Zoll Smartphones?

2014 war kein starkes Jahr für den Verkauf von Tablets. Selbst der Kassenschlager iPad von Apple hat eingebüßt.

Einer der Gründe ist wahrscheinlich ihr begrenztes Anwendungsfeld, sie konnten sich die letzten vier Jahre nicht als durchgängiges Arbeitsgerät etablieren. Außerdem sind sie leicht ersetzbar, wenn es um das schnelle Zugreifen von Informationen geht und bieten kaum Innovationskraft. Auch der Trend von Tablets als erweiterte Spielkonsole geht nur schleppend voran.

Unser Fazit:

Ob mögliche Werbung auf Smartwatches, Mobile Payment bald mit Fingerabdruck oder Voice Control – wir belegen zwar schon Platz 13 im EU Ranking in Bezug auf den Grad der Digitalisierung im Euroraum, aber das sagt nicht, dass nicht noch viel Platz nach oben ist.

Keep calm, stay mobile.