Nachhaltig wirtschaften und Bitcoin

02. Jun 2021

Matthias Burtscher

6 Min.

Nachhaltig wirtschaften und Bitcoin nutzen – geht das?

Wir sehen das große Potenzial von Bitcoin und verschließen aber auch nicht die Augen vor Kritik. Da uns Umwelt- und Klimaschutz sehr am Herzen liegen, stellen wir uns in diesem Beitrag die Frage, ob der hohe Energieverbrauch von Bitcoin mit unseren Werten und unseren Bemühungen für ein nachhaltiges Wirtschaften vereinbar ist.

Wo liegt das Problem?

Vor Kurzem haben wir angekündigt, dass wir uns bei Fusonic zukünftig verstärkt mit der Technologie rund um Bitcoin auseinandersetzen werden. Bitcoin ist eine neue Art von Geld, das durch ein globales, dezentrales Netzwerk aus Rechenleistung betrieben wird, in dem alle teilnehmen können. Während Transaktionen von allen Teilnehmern (Nodes) sehr einfach verifiziert werden können, ist das Aufzeichnen von Transaktionen in der Blockchain (Datenbank von Bitcoin) an die Verrichtung von Arbeit gebunden.

Vereinfacht gesagt investieren sogenannte Miner viel Rechenleistung zur Lösung kryptografischer Rätsel. Wer das Rätsel am schnellsten löst, ist berechtigt, die anstehenden Transaktionen in die Blockchain zu schreiben und erhält als Belohnung neu geschürfte Bitcoins und Transaktionsgebühren.

Dieses als Proof of Work bezeichnete Konsenssystem ist erforderlich, um die Stabilität des Netzwerkes zu garantieren und Betrug zu verhindern. Das Lösen der Rätsel benötigt viel Rechenleistung und damit elektrische Energie. Der gesamte Energieverbrauch liegt aktuell bei geschätzten 115 TWh jährlich.1 Da nicht nur sauberer Strom aus erneuerbaren Energien genutzt wird, wird der CO2-Ausstoß des Netzwerkes auf 58 Mt jährlich geschätzt.2

Sowohl der Energieverbrauch, als auch die damit einhergehenden Emissionen werden häufig als das größte Argument gegen Bitcoin angeführt.

Ein klares Bekenntnis

Bei Fusonic verpflichten wir uns seit jeher, unsere Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft als Unternehmen wahrzunehmen. Wer bei Fusonic arbeitet, erhält ein kostenloses Öffi-Ticket. Wir setzen auf erneuerbare Energien, besitzen E-Autos statt Verbrenner und kaufen weitestgehend regionale Bio- und Fair-Trade-Produkte ein.

Ist die Nutzung von Bitcoin mit unseren Werten vereinbar? Erst nach zahlreichen Diskussionen, intensiver Recherche und der Abwägung von Vor- und Nachteilen sind wir zum Schluss gekommen: Ja, die Nutzung von Bitcoin ist vereinbar mit einem nachhaltigen, auf Umwelt- und Klimaschutz bedachten Wirtschaften.

Energie sinnvoll nutzen

Wer Bitcoin kritisiert, bezeichnet den Energieverbrauch von Bitcoin häufig als Energieverschwendung. Von Verschwendung kann jedoch nur dann gesprochen werden, wenn daraus kein Nutzen entsteht. Aufgrund dessen ist diese voreilige Bewertung äußerst subjektiv.

In unserem ersten Beitrag zum Thema Bitcoin sind wir bereits auf die Vorteile der neuen Digitalwährung eingegangen, weshalb ich an dieser Stelle auf eine ausführliche Darstellung verzichte. Kurz gesagt handelt es sich um ein Geldsystem, das rund um die Uhr und jedem Menschen dieser Welt zur Verfügung steht. Es entzieht sich einer zentralen Kontrolle und ist auf Wertstabilität ausgerichtet (Deflation statt Inflation). Und – für uns als Softwareunternehmen ein sehr wichtiger Punkt – es ist digital, programmierbar, sicher und 24/7 online.

Aufgrund dieser positiven Eigenschaften glauben wir daran, dass Bitcoin das Potenzial hat, Geld grundlegend zu revolutionieren und die dafür genutzte Energie nicht verschwendet wird, sondern sinnvoll eingesetzt ist.

Erneuerbare Energien braucht das Land!

Was dennoch bleibt, ist ein hoher Ausstoß an CO2, da in vielen Teilen dieser Welt fossile Energieträger für die Produktion von Strom genutzt werden. Dieses Problem können und müssen wir lösen – nicht nur wegen Bitcoin, sondern ganz generell.

Aus nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründen greifen Miner generell auf die billigste Energiequelle zurück, die ihnen zur Verfügung steht. Dabei sind sie weitestgehend orts- und zeitungebunden, da Bitcoin ein dezentrales, globales Netzwerk ist.

Studien zeigen, dass elektrische Energie bereits heute am günstigsten aus erneuerbaren Quellen hergestellt werden kann.3 Die Sonne versorgt uns täglich mit weit mehr Energie als wir nutzen können. Noch billiger ist Energie dann, wenn sie aus bisher ungenutzten Quellen wie Abwärme oder Überschussproduktion stammt.

Rund 40 % der Mining-Aktivität erfolgt mit erneuerbaren Energien (Stand 2020)4 – wieso nicht mehr? Viele Staaten subventionieren die Nutzung von fossilen Energieträgern aus verschiedensten Gründen.5 Wird daraus elektrische Energie gewonnen, die kostengünstig am Markt angeboten werden kann, wird diese aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen auch von Minern dankend nachgefragt.

Deshalb treten wir für eine Wende hin zu erneuerbaren Energien ein, handeln im eigenen Wirkungsbereich konsequent und lehnen derartige Subventionen für fossile Energie grundsätzlich ab – in Österreich und darüber hinaus.

Und was passiert jetzt konkret?

Kurzfristig lässt sich das Problem des hohen CO2-Ausstoßes realistischerweise nicht lösen. Strom aus fossilen Energieträgern wird so lange für Bitcoin-Mining genutzt werden, so lange dieser Strom günstig zu haben ist.

Dennoch möchten wir die Verantwortung nicht an zukünftige Generationen abschieben und haben uns bei Fusonic verpflichtet, den von uns verantworteten CO2-Ausstoß zu kompensieren. Dabei verlassen wir uns auf die Berechnung von netpositive.money, die auf dem Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index und wissenschaftlichen Arbeiten basiert. Die Kompensation erfolgt über anerkannte Dienstleister und nach dem Gold Standard 6 bewerteten Projekten.

Zukunftsvision

In einer Zukunft, in der fossile Energieträger zurückgedrängt und durch erneuerbare Energiequellen abgelöst wurden, ist auch Bitcoin-Mining in Hinblick auf den Energieverbrauch „sauber“. Dieser Zukunft blicken wir hoffnungsvoll entgegen.

Zwischenzeitlich bemühen wir uns um einen entsprechenden Ausgleich der von uns verantworteten Emissionen und setzen uns weiterhin für den konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien in allen Lebensbereichen ein.

Nachhaltig wirtschaften und Bitcoin nutzen – geht das? Ja, aus unserer Sicht schon.1

Quellenverzeichnis

1 Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index
2 Digiconomist Bitcoin Energy Consumption Index
3 Lazard’s Levelized Cost of Energy Analysis
4 3rd Global Cryptoasset Benchmarking Study
5 Energy Subsidies - Evolution in the Global Energy Transformation to 2050
6 The Gold Standard