Remote Work in Thailand

20. Jun 2017

Dominik Sekacic

4 Min.

Wer eine Reise tut, hat was zu erzählen

1905 beschrieb Einstein die Relativität von Raum und Zeit. Über ein Jahrhundert später scheint diese Relativität auch in der allgemeinen Arbeitswelt angekommen zu sein. Immer mehr Berufsgruppen entdecken die Möglichkeit, ihrer Tätigkeit von jedem beliebigen Ort der Welt aus nachzugehen. Ganz vorne dabei unter den sogenannten digitalen Nomaden: Laptopakrobaten wie Texter, Designer, Fotografen und Programmierer.

Vor Kurzem sagten gleich zwei Fusonics unserem gemütlichen Büro in Götzis „Goodbye“ und zogen in weite Welt hinaus. Fabian nach Amsterdam und Michael nach Ko Lanta in Thailand.



Fabians Koffer vor der Abreise nach Amsterdam

Warum wolltet ihr unbedingt remote worken? Wohnt ihr so hässlich?

Fabian: „Auch bei abwechslungsreichen Jobs kommt mit der Zeit Monotonie auf: Täglich die gleiche Strecke ins Büro, die selben Restaurants, die gleiche Umgebung – ebendiese Monotonie hatte mich geärgert.“

Michael: „Weil ich’s konnte. Zuhause habe ich weder Strand noch Meer. Keinen Vollkontakt zu anderen Kulturen. Remote-Work war eine Möglichkeit, Neues zu erleben: fremde Kulturen, Menschen, Denkweisen und Geschichten kennenzulernen und daran teilzunehmen.“



Warum habt ihr euch für die jeweilige Destination entschieden?

Fabian: „Eigentlich wollte ich ja nach Tokio, konnte aber nicht länger als zwei Wochen weg, was mir für diesen Trip zu kurz gewesen wäre. Letztes Jahr habe ich Niederländisch gelernt und dachte, das wäre eine gute Gelegenheit, das auf die Probe zu stellen.“

Michael: „Ich ging in meinen vier Wochen bewusst weiter weg – ich wollte nicht dasselbe in anderer Sprache oder womöglich nur auf Hochdeutsch.“



Was hat euch besonders an den Orten gefallen, an denen ihr wart?

Michael: „Die knapp 100 Meter Entfernung zum Strand und die vielen Möglichkeiten, die sich außerhalb der Arbeitszeit boten wie Tauchkurse, das Erkunden von Höhlen mitten im Regenwald oder die nahe gelegene Tierpflegefarm. Nicht zu vergessen, die thailändische Küche und natürlich die Menschen, die man kennenlernt. Das hat mit dem Alltag zu Hause sehr wenig zu tun.“

Fabian: „Zunächst einmal die Stadt selbst. Es ist schon was anderes, ob man einen Städtetrip macht oder den Ort aus »Altagssicht« erlebt. Außerdem der Co-Working-Space, von dem aus ich gearbeitet habe. Die Location war atemberaubend und voller interessanter Menschen.“



Remote Working in Thailand

Thailand: Sieht aus wie Urlaub, war aber auch Arbeit.



Gab es denn viele andere Co-Worker?

Fabian: „Ja, in den Niederlanden besteht ein Großteil der Dienstleister aus Freelancern – speziell im IT-Bereich ist der Anteil – verglichen mit Österreich oder Deutschland – überdurchschnittlich hoch.“

Michael: „In Ko Lanta waren es auch rund 30 Menschen aus allen Teilen der Welt und mit unterschiedlichsten Berufen. Wobei ein Profi-Poker-Spieler aus den USA wohl den ungewöhnlichsten Job hatte.“



Wie habt ihr die Zusammenarbeit mit dem Team gemanaget?

Fabian: „GitLab, Chat & WhatsApp zum Telefonieren.“

Michael: „Skype, Mail & Trello.“



War die Zeitverschiebung ein Problem?

Fabian: „Also in Amsterdam nicht.“

Michael: „Für mich auch nicht. War bei mir Nachmittag, war in Götzis Vormittag, ich hatte also noch immer direkten Kontakt zum Team.“

Fabian: „Es gibt in Amsterdam zwar keine richtige Zeitverschiebung zu Götzis aber das Zeitempfinden dort ist schon ein anderes. Vor neun Uhr fängt da fast niemand an zu arbeiten und um halb sechs abends verabredet man sich in der Regel schon zum gemeinsamen Abendessen.“



Remote Working in Amsterdam

Amsterdam: Sieht aus wie Arbeit, war aber auch Urlaub.



Hattet ihr beim Remote Working irgendwelche Benefits, die ihr jetzt vermisst?

Michael: „In der Mittagspause im Meer schwimmen.“

Fabian: „Das permanente Neue – Vertrautes ist schön und gut, doch ab und an tut ein Ausbruch aus der Monotonie wirklich gut.“



Hat Remote-Working auch Schattenseiten?

Fabian: „Es ist nichts für introvertierte Menschen.“

Michael: „Das stimmt, man muss schon offen für Neues sein und aus seiner Comfort-Zone treten.“

Fabian: „Außerdem kann es je nach Location sein, dass man etwas mehr Geld braucht als Zuhause.“

Michael: „Oder auch etwas weniger.“



Würdet ihr es wieder gehen?

Fabian: „Ja, sofort.“

Michael: „Wiedersehen.“