Um gelesen zu werden, sollten Texte spannend, unterhaltsam und verständlich geschrieben werden.

01. Mar 2018

Dominik Sekacic

4 Min.

Was uns 80er-Jahre-Actionhelden über das Texten beibringen können …

… ziemlich wenig, denn wer erst schießt und dann Fragen stellt, der schreibt auch, bevor er denkt. Darum ist die erste Zutat für gute Texte:

1. Den Kern kennen

Es lohnt sich, vor dem Schreiben genau zu wissen, was man sagen will. Ist der Kern des Textes nicht klar definiert, merkt man das dem Ergebnis an.

Folgende Fragen helfen euch dabei:

  • Was will ich meinen Lesern sagen?
  • Was sollen meine Leser dabei fühlen?
  • Wie sollen meine Leser darauf reagieren?
  • Was ist die wichtigste Information in meinem Text?

2. Konkret sein

Der Satz „Schatz, ich geh mal eben zum Bäcker, Backwaren holen“, ist – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – noch nie an einem Sonntagmorgen so gesagt worden. Niemand holt Backwaren – wir kaufen Baguette, Croissants, Nussschnecken und Laugenbrötchen.

Unser Gehirn zieht das Konkrete dem Abstrakten vor. Schon die Nennung konkreter Dinge lässt uns Bilder, Töne und sogar Gerüche wahrnehmen – selbst dann, wenn wir diese Dinge nicht genau kennen.

Lesen wir beispielsweise einen Satz wie folgenden: „Im Zimmer lag ein Duft von alten Büchern, Sandelholz und frisch entfachtem Kaminfeuer“, sehen viele von uns den Raum vor sich. Vielleicht ist es eine Bibliothek in einem großen Herrenhaus oder eine Hütte, in der ein alter Mann wohnt; für einige ist bestimmt klar, dass da auch ein Ohrensessel steht und sie können das Knistern des Kaminfeuers förmlich hören.

Erstaunlich, schließlich wurde keines dieser Dinge genannt und wahrscheinlich wissen nur die wenigsten von uns, wie alte Bücher oder Sandelholz riechen.

3. Nur ein Segment erzählen

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert das „Pars pro Toto“ – ein rhetorisches Stilmittel, bei dem man einen Teil von etwas für das Ganze sprechen lässt. Es begegnet uns häufig im Alltag, wenn berechnet wird, was etwas pro Kopf kostet, wir ein Gespräch unter vier Augen führen oder gemeinsam unter einem Dach leben. Einzelne Teile stehen für ein größeres Ganzes – Körperteile für Menschen, ein Dach für ein Haus.

Eines der schönsten Beispiele, die sich dazu googeln lassen, ist ein Satz des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Sarkozy, der seiner Erleichterung über das Ende der französischen EU-Ratspräsidentschaft in einem Pars pro Toto Ausdruck verlieh: „Ich möchte nicht mehr bis vier Uhr morgens über drei Erdnüsse verhandeln.“

4. Ausgeleierte Redensarten vermeiden

  • Wer das Ende der Fahnenstange erreicht,
  • kann gleich das Handtuch werfen
  • und den Gürtel enger schnallen.
  • Denn wenn er ins Wespennest sticht
  • oder ins Fettnäpfchen tritt,
  • wird er so schnell nicht das Tanzbein schwingen.
  • Solange auf den Frieden und die Freude der obligatorische Eierkuchen folgt, tut das auch die Langeweile.

5. Liegen lassen

Ein guter Text ist kein One-Write-Stand. Am Besten solltet ihr mindestens drei Dates haben, bevor es an die Veröffentlichung geht.

1. Date: die Recherche
Informiert euch umfangreich zu dem Thema, über das ihr schreiben möchtet. So bekommt ihr Input aus verschiedensten Richtungen. Lasst dann den Text liegen. Die Inhalte werden über die Zeit automatisch im Kopf sortiert – wie Tetris im Hirn.

2. Date: das Schreiben
Wenn ihr Nerven bewahrt, spürt ihr, wenn es so weit ist, mit dem Schreiben zu beginnen. Vertraut dabei auf euer Unterbewusstsein. In der Regel weiß es deutlich besser als ihr, was es tut. Sobald euer Text steht, ist es Zeit ihn wieder liegen zu lassen.

3. Date: das Wiedersehen
Der Abstand zu eurem Text leert quasi euren Cache-Speicher. So könnt ihr euch mit resettetem Hirn wieder damit auseinandersetzen. Prüft, wo ihr die Arbeit eures früheren Ich gut findet und wo ihr Verbesserungen vornehmen könnt. Wenn möglich, bittet eine weitere Person darüberzulesen, bevor ihr euren Text veröffentlicht.

Natürlich kann man nicht mit jeder E-Mail drei Dates vereinbaren. Wenn ihr jedoch die Zeit habt oder der Text wichtig ist, dann lasst euch keine dieser Verabredungen entgehen.

6. Auf Zutaten verzichten

Abgesehen vom Ersten, ist keiner der oben genannten Punkte eine Regel. Seht sie eher als Zutaten in einem Rezept. Nicht immer muss oder sollte jede Zutat rein. Wer keinen Koriander mag, muss auch keinen verwenden, und wenn das bewusste Verzichten auf eine der Zutaten euren Text verfeinert, dann lasst sie weg.