Kann man eine funktionierende Anwendung bauen, ohne eine Zeile Code selber zu schreiben? Was sind die Möglichkeiten und Grenzen von Agentic Coding? Bei unseren diesjährigen Discovery Days suchten wir Antworten auf diese Fragen. Unter dem Motto »Double Down on AI« haben wir die Rolle von Architekt:innen und Dirigent:innen übernommen und die KI-Agenten die Software entwickeln lassen.
- Autorin
- Mariella Rubert
- Datum
- 9. April 2026
- Lesedauer
- 4 Minuten
Was sind die Discovery Days?
Die Discovery Days sind ein internes Hackathon-Format, um aus dem Projektalltag auszubrechen und radikal Neues zu wagen. Dieses Jahr stand alles im Zeichen von Agentic Coding. Unser Ziel war es, die eigene Arbeitsweise fundamental zu hinterfragen und zu testen, wie schnell wir von einer vagen Idee zu einem funktionierenden Prototypen kommen, wenn wir KI-Agenten wie Claude oder Replit »von der Leine lassen«. Möglich war alles und die Projekte durften frei gewählt werden. Drei der daraus entstandenen Projekte wollen wir uns hier im Detail ansehen.
Interaktives Media-Journal
Ich habe mit Replit ein digitales Zuhause für Gedanken zu Büchern und Podcasts geschaffen. Die Anwendung bietet ein virtuelles Bücherregal-Design, Nutzer:innen können ihr Bücherregal mit einem Passwort schützen und Podcast-Episoden lassen sich direkt in der Anwendung anhören, während man sich Notizen macht. Es war sehr interessant zu erleben, was alles möglich ist, auch ohne Coding-Skills. Man verlässt sich einfach auf die KI, was ich auch kritisch sehe.
Mein wichtigstes Learning war, dass die initiale Planung entscheidend ist. Erst während des »Doing« bin ich draufgekommen, dass Funktionen wie die Benutzerverwaltung noch hilfreich wären. Schlussendlich hat die Anwendung aber erstaunlich flüssig funktioniert und die Designvorschläge von Replit waren auch absolut ausreichend für diesen Versuch.

Fusonic Band App
Arian hat für die Fusonic Band eine Web-App erstellt und so optimiert, dass diese Noten und Songtexte auf einem Tablet übersichtlich anzeigt. Als Musikant möchte er alles auf einen Blick haben, ohne swipen oder blättern zu müssen. Text, Akkorde und eventuelle »Guitar Tabs« werden alle komprimiert, sodass sie auf so wenig Seiten wie möglich dargestellt werden. Er nutzte dafür Claude Code.
Arians Fazit zur Zusammenarbeit mit der KI: »Claude Code funktioniert sehr gut. Allerdings muss man mal ein Auge zudrücken, wenn es um das Verständnis vom Code geht.«

Fuhrpark Website & Kalkulator
Für unsere Fuhrparkmanagement-App hat Steffi während den 1,5 Tagen Discovery Days eine vollständige Website inklusive eines interaktiven Kalkulators mit Schiebereglern umgesetzt. Als Agent diente dabei Replit, wobei der generierte Code auf GitHub abgelegt und die Seite über eine URL öffentlich zugänglich gemacht wurde.
Steffis wichtigste Erkenntnis: Während sich mit solchen Tools in Rekordzeit brauchbare Ergebnisse für frühe Validierungen oder MVPs erzielen lassen, zeigen sich bei Detailanpassungen an Texten, Farben oder Bildern klare Grenzen. Diese Feinarbeit ist oft aufwändiger als in klassischen Workflows. Zudem ist ein kritischer Blick auf die Codequalität nötig, da der generierte Code teilweise unnötig umfangreich wirkt und Entscheidungen – wie das externe Laden von Google Fonts – im professionellen Kontext hinterfragt werden müssen.
Ihr Fazit fällt dennoch positiv aus: „Für die kurze Zeit hat das Tool ein erstaunlich gutes Ergebnis geliefert. Eine Website in dieser Qualität würde man klassisch deutlich länger entwickeln.«
Social Media Monitoring
Matthias B. und Stefan haben eine »Social Media Wall« gebaut. Hier ist der Wunsch vom Marketing aufgekommen, dass in unserer Büroküche ein Screen die Social Media Aktivitäten der Fusonic-Kanäle (Instagram und LinkedIn) zeigen soll. So können Mitarbeiter:innen, die selbst nicht auf Social Media aktiv sind, mitverfolgen, was veröffentlicht wird.
Realisiert wurde das Ganze als Vanilla-JS/HTML/CSS Projekt, das über N8N an Swat.io angebunden ist und sogar einen Video-Transcoding-Service enthält. Zum Einsatz kam Mistral.
Stefans Eindruck: »Bootstrapping von neuen Projekten bzw. Grundaufbau ist wirklich einfach mit Mistral. Wenn es ins Detail geht, muss man manchmal selbst Hand anlegen.«

Fazit
Die Hürde, von einer vagen Idee zu einem funktionierenden Prototypen zu kommen, ist fast verschwunden. Die Projekte zeigen, wie erstaunlich schnell erste Ergebnisse stehen.
Aber Achtung: Die »letzten 20 %« – das Refinement, komplexe UI-Details oder die Integration in bestehende Systeme – bleiben die Domäne menschlicher Expertise. Ohne eigenes Know-how wird es schwierig, die Qualität und Sicherheit des generierten Codes wirklich zu validieren.
Um mit der KI wirklich Erfolg zu haben, benötigt es eine extrem starke konzeptionelle Vorbereitung. Unsere Rolle als Entwickler:innen verschiebt sich vom Schreiben einzelner Codezeilen hin zum Steuern von Agenten und dem strategischen Validieren von Plänen. Wer die technischen Leitplanken und Projektziele vorab präzise definiert, holt das Maximum aus dem Agetic-Coding mit Replit oder Claude heraus. Ohne diesen Plan läuft man Gefahr, in mühsame Detailanpassungen zu geraten oder unnötig viele Tokens zu verbrennen.


