Studium vs. Praxis: Ein ehrlicher Einblick von Patrick

Team
Patrick_Blog

Von Juni bis August habe ich als Praktikant in der Softwareentwicklung das Team der Ducks unterstützt. Berufsbegleitend studiere ich Digital Innovation im 3. Semester an der Fachhochschule (FHV) in Dornbirn. Meine praktischen Erfahrungen und hilfreiche Tipps für andere Praktis habe ich in diesem Blogbeitrag festgehalten. 

Autor
Patrick Mair
Datum
5. August 2026
Lesedauer
4 Minuten

Learnings während dem Praktikum

Am meisten überrascht hat mich die schiere Dimension und Komplexität einer echten Enterprise-Codebasis. Im Studium und privat baute ich immer kleinere Projekte. Bei Fusonic wurde mir schnell klar, was es wirklich heißt, an einem riesigen System zu arbeiten. Überrascht hat mich aber auch, wie viel Vertrauen mir direkt entgegengebracht wurde. Ich habe nicht bloß Dokumentationen geschrieben oder bunte Buttons verschoben, sondern von Tag 1 an echte, tiefgreifende Kern-Features und Business-Logiken angefasst.

Aufgabenbereiche

Ich arbeite an einem bestehenden CRM-Tool für einen langjährigen Kunden mit. Vereinfacht gesagt helfe ich dabei, dass Kunden und Mitarbeitende Produkte konfigurieren, Angebote erstellen und Bestellungen verwalten können. Ich baue Bausteine im Hintergrund, damit Daten sauber gespeichert werden und auf dem Bildschirm genau das passiert, was der Benutzer anklickt.

Hürden & Weg aus der Denkblockade

Die größte Hürde war für mich die riesige Code-Architektur im Projekt, also die bestehende Codestruktur erst einmal zu verstehen und das Zusammenspiel aus Benutzeroberfläche und Hintergrund-Logik (WinForms, ICommand und CQRS) zu durchblicken. Es gab Tage, an denen ich Stunden vor verwirrenden Code-Zeilen und kryptischen UI-Bugs saß und das Gefühl hatte, den Faden komplett zu verlieren. 

Der Weg heraus? Abstand gewinnen! Oft hat es geholfen, den Code kurz liegenzulassen, das Problem gedanklich in kleine Häppchen zu zerlegen und die Architektur Schritt für Schritt wie ein Rätsel zu lösen oder mich kurz mit meinem Mentor David  auszutauschen, um wieder Klarheit zu bekommen. 

Studium vs. Praktikums-Alltag

In der FH lernt man Grundlagen und schreibt Code oft so, dass er für den Moment funktioniert und die Klausur besteht. Bei Fusonic baut man Code für die Ewigkeit und für ein ganzes Team. Jeder Merge Request wird auf Herz und Nieren geprüft. Dinge wie saubere Architektur (wie z.B. CQRS), strikte User permissions, Git-Workflows und Defensive Programming (z. B. Edge-Cases und Unit-Tests) spielen auf einmal eine große Rolle.

Und ganz ehrlich, auch fortgeschrittene C#-Konzepte wie Generics haben mich im Fusonic Projektalltag erst mal richtig gefordert. Was in der FH nach einem einfachen List<T> aussah, wird im Enterprise-Umfeld mit verschachtelten Generic-Constraints, Interfaces und MediatR-Handlern schnell zu einem echten Gehirnjogging, durch das man sich erst mal durchbeißen muss.

Welche Theorie aus der FH hat geholfen?  

  • Helfer im Alltag: Objektorientierte Programmierung, Verständnis für Datenstrukturen und die Grundlagen von C# und Datenbanken.
  • Zum vergessen: Reines Vorlesungswissen über theoretische Lehrbuch-Muster. In einer echten, modernen C#-Codebasis werden diese Dinge in der Praxis meistens viel flexibler und komplexer gelöst. 

Der erste Klick auf Merge

Auf der Panik-Skala von 1 bis 10 auf jeden Fall eine 3! Einerseits freut man sich riesig, dass der eigene Code jetzt wirklich ins System wandert. Andererseits checkt man vor dem Klick lieber noch dreimal alles durch, damit bloß kein Fehler mitfliegt. Aber wenn danach alle Unit Tests grün sind und der Merge Request durchgeht, ist das ein echtes 10 von 10 Gefühl! 

Behind the Scenes bei Fusonic

Der Gang zur Kaffeemaschine, um mir einen Kaffee und einen Müsliriegel zu holen. Nach Stunden voller C#-Syntax tut es extrem gut, für ein paar Minuten die Augen vom Bildschirm zu nehmen, kurz durchzuatmen und gedanklich einfach mal komplett weg vom Code zu kommen.

Das Thema Hilfe wird bei Fusonic riesengroß geschrieben. Ich hatte am Anfang Respekt davor, wegen »kleiner« Dinge zu fragen, aber die Kultur hier ist extrem offen. Niemand gibt dir das Gefühl, eine dumme Frage gestellt zu haben. Meistens läuft das super unkompliziert ab: Entweder zieht man den Mentor kurz im Call zusammen, geht direkt an den Tisch oder wirft einen Code-Snippet in den Chat.

Was bringt die Zukunft? 

Ich bin extrem in meiner Problem-Lösungs-Kompetenz, Architekturverständnis und vor allem in meiner persönlichen Resilienz gewachsen. Am ersten Tag haben mich riesige Fehlermeldungen und komplexe Architekturen fast erschlagen. Heute bleibe ich ruhig, analysiere die Schichten von der DB bis zur UI systematisch und weiß, wo ich ansetzen muss.

Was ich mitnehme für die FH? Der kompromisslose Einsatz von echten Entwickler-Tools! Das tiefere Verständnis von professionellem Debugging in Visual Studio, Tastatur-Shortcuts (wie Ctrl + F (textsuche in files), Ctrl + Shift + F (textsuche in repo) oder Ctrl + T (files in der repo suchen)) und vor allem ein sauberer, strukturierter Umgang mit Git. Ebenfalls hat mir das Scratchpad LinqPad-9 oft geholfen, Verständnisprobleme von Patterns, die im CRM angewendet werden, isoliert durchzuspielen und so besser zu verstehen. Das wird mir in FH-Gruppenarbeiten und in meiner Zukunft unfassbar viel helfen.

Mein Tipp für Praktis in der Softwareentwicklung

Ein ehrlicher Tipp für neue Praktis wäre, dass man sich in der ersten Woche nicht von der schieren Masse an Code und Konzepten erschlagen lässt. Niemand erwartet, dass man am ersten Tag das ganze System versteht. Man muss neugierig sein, lieber einmal zu viel als zu wenig Fragen stellen und akzeptieren, dass Verwirrung einfach der erste Schritt zum Verständnis ist.

Mehr davon?

20 Jahre_Cover
Team
Von Null auf 20: Ein Status-Update
13. April 2026 | 5 Min.
DD_Blog
Team
Unsere Discovery Days 2026: Double Down on AI
9. April 2026 | 4 Min.

Kontaktformular

*Pflichtfeld
*Pflichtfeld
*Pflichtfeld
*Pflichtfeld

Wir schützen deine Daten

Wir bewahren deine persönlichen Daten sicher auf und geben sie nicht an Dritte weiter. Mehr dazu erfährst du in unseren Datenschutzbestimmungen.